Ernhärung und Philosophie

Der Mensch ist, was er isst.
 
“Wir sind das, was wir essen”: dieses Konzept wurde 1862 im Werk Das Geheimnis des Opfers oder der Mensch ist, was er ißt vom deutschen Philosophen Ludwig Feuerbach  ausgedrückt und es bedeutet, dass ein Volk sich durch eine bessere Ernährung selbst verbessern kann. Natürlich war seine Sichtweise eher philosophisch als wissenschaftlich, aber sie ist ein wichtiges Beispiel dafür, wie eng die Erziehung zu einer besseren Ernährung und gesunde Regeln mit der sozialen Sphäre verbunden sind und ebenso, wie sehr jedes Lebewesen eine unzertrennbare Einheit zwischen Körper und Geist ist. Je besser die Ernährung desto bester funktioniert der Verstand.
Gleichgewicht und Maß stellen seit immer den rote Faden dar, der im Laufe verschiedener Jahrhunderte das Verhalten der Menschen gegenüber der Ernährung geprägt hat.

Wer kann sich nicht an das berühmte Zitat aus Juvenals Satiren erinnern: Mens sana in corpore sano? Auch wenn es sich nicht um eine Aufforderung, sondern um ein Gebet an die Götter handelt, so werden doch das Gleichgewicht und die Mäßigung in der körperlichen und geistigen Aktivität als die einzigen Bedürfnisse der Menschen angesehen. Nach heutigem Ermessen wird der Satz hingegen eher wörtlich übersetzt und verstanden.

Seneca hat in seinem Werk De tranquillitate animi [Von der Gemütsruhe] folgendes geschrieben: „Ich ziehe jene Speisen vor, die nicht von Unmengen von Sklaven zubereitet und überwacht werden müssen; nicht solche, die viele Tage vorher bestellt oder aus verschiedenen Händen ausgeteilt werden, sondern jene, die man sich leicht beschaffen kann; ein einfaches Essen, das weder besonders erlesen noch kostbar ist und das man überall findet; es soll weder für den Geldbeutel noch für den Körper belastend sein, sodass es danach nicht den gleichen Weg zurückgeht, von dem es gekommen ist.“

Auch Pellegrino Artusi, einer der wichtigsten italienischen Spezialisten im Bereich der Gastronomie, hat in seinem Werk La scienza in cucina e l’arte di mangiare bene [Von der Wissenschaft des Kochens und der Kunst des Genießens] behauptet, dass “die Mäßigung und die Bewegung des Körpers die beiden Achsen darstellen, entlang derer sich die Gesundheit dreht”.

Man darf nicht vergessen, dass der Begriff Diät, der heute allen verhasst ist, weil er unmittelbar mit Verzicht und Opfer in Verbindung gebracht wird, im Griechischen (δίαιτα) als “Lebensweise, Lebensart” interpretiert wird. Der Kontext war ohne Zweifel ausgedehnter und es gab einen Bezug zum gesamten Leben der Menschen, nicht nur zur Ernährung. Er hatte wohl eine holistische Bedeutung, wie man heute zweifellos sagen würde.
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